Mittelpunkt Moritzberg

Ursprünglich war Moritzberg ein Ort "auf dem Berge vor Hildesheim". Das galt bis zum 1. April 1911. Dann kam die Eingemeindung. Heute ist Moritzberg ein Stadtteil im Hildesheimer Westen. Ein bisschen eigenwillig und eigenständig ist er trotzdem geblieben.
Moritzberg umfasst einen historischen Ortskern, das Berghölzchen: eine Wald- und Parklandschaft, Siedlungen und Gartenstädte aus den zwanziger und dreißiger Jahren und ausgedehnte "Neubauviertel": Bockfeld und Godehardikamp aus den sechziger und siebziger Jahren - insgesamt cirka 6000 Haushalte. Moritzberg gilt als schönster Stadtteil Hildesheims, seine Bewohner fühlen sich - früher wie heute - auf besondere Art mit ihm verbunden. Drei Schulen, drei Kindergärten, drei weithin sichtbare Kirchen, ein eigenes Versorgungszentrum mit Handel und Gewerbe und eine Fabrik mit Geschichte - Moritzberg ist eine sehr beliebte Wohngegend mit überschaubaren Strukturen. Besonders junge Familien mit kleinen Kindern ziehen gern "auf den Berg".

"Moritz" ist die deutsche Form für "Mauritius". Nach diesem Heiligen, der als Schwarzer im dritten Jahrhundert n. Chr. im römischen Heer diente und umgebracht wurde, ist der Berg benannt. Der Hildesheimer Bischof Godehard brachte um 1025 die Verehrung des Mauritius mit, als er auf dem Berge ein Haus als Sommerfrische bauen ließ. 40 Jahre später entstand das Kollegiatstift St. Mauritius, das bis zu seiner Auflösung 1810 die Geschichte des Ortes prägte.
Zwischen Hildesheim und Moritzberg besteht eine alte Rivalität, die den Sagen zufolge bis in die Zeit der Christianisierung zurückreichen könnte. 1332 eskalierte der Konkurrenzneid. In der Weihnachtsnacht zerstörten Hildesheimer eine Moritzberger Gründung, die Dammstadt. Moritzbergs Grenzen endeten seitdem nicht mehr an der Innerste, die Hildesheim und "den Berg" trennt, sondern viel weiter westlich, am Blänkebach.

Schon zu Zeiten des Stiftes war die Politik vom Berge weltoffen und umsichtig, ohne den Trends der Zeit zu erliegen. In den ersten Jahrhunderten kreuzten zwei große alte Handelsstraßen den Ort. Jüdische Familien trugen zum Wohlstand des "Bergfleckens" bei; zeitweise flüchteten sie aus Hildesheim hier her, was dem Stift verschiedene Prozesse eintrug. Junge Handwerkerfamilien siedelten sich mit Vorliebe auf dem Berge an, weil es hier keine Zünfte und Gilden gab. Die Industrialisierung brachte den Zuzug vieler polnischer Fabrikarbeiter, ein enormes Bevölkerungswachstum und rege Bautätigkeit. Seit der Eingemeindung - aus Not, nicht aus Liebe - ist Moritzberg noch einmal gewachsen. Auf den ehemaligen Äckern haben sich ausgedehnte Wohngebiete entwickelt.
Die Moritzberger sind noch immer der Ansicht, dass sie ein eigenes Völkchen sind: die vom Berge, das Bergvolk. Mit Freude haben sie vor 15 Jahren die alte Bezeichnung als "kleines zänkisches Bergvolk" entdeckt und vermarktet.

Moritzberg bietet heute in den alten Straßen des Bergdorfes "ein bisschen Süddeutschland in Norddeutschland": sorgfältig restaurierte Sandsteinmauern und Fachwerkhäuser, Baudenkmäler voll romantischer Ausstrahlung von der Romanik bis zur Neugotik - der Berg hat Atmosphäre. Sie gibt dem gesamten Hildesheimer Westen Identität, und sie wird zunehmend von Wochenendbesuchern und anderen Gästen entdeckt. Das Versorgungszentrum von Moritzberg, die uralte "Dingworth", gewinnt an Selbstbewusstsein - der Charme der kleinen Geschäfte, die Intimität des Straßenlebens wird als Qualität geschätzt und ausgebaut. Moritzberg hat seinen eigenen Mittelpunkt.
Entdecken Sie ihn!